Interview mit Dozentin Dr. Gabriele Schwarz

« Als Zahlenmensch sage ich meinen Studierenden immer: Ein mathematisches Maximum erreichen ist ganz selten möglich, darum muss man sich auf das Erreichen eines Optimums ausrichten. »

Dr. Gabriele Schwarz

 

Heute ist der internationale Frauentag. Wie weit wurde das Ziel der Gleichberechtigung von Mann und Frau Ihrer Meinung nach in Ihrem Berufsfeld umgesetzt?

In meinem Berufsfeld ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern schon sehr gut umgesetzt und ich habe stets den gleichen Lohn wie meine männlichen Kollegen erhalten. Allerdings sind immer noch wenige Frauen in meinem Gebiet tätig und gerade in den Kaffeepausen habe ich es manchmal vermisst, zwischendurch über Themen zu sprechen, die meine männlichen Arbeitskollegen weniger interessieren. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das Geschlechtergleichgewicht einstellen wird. Bezüglich der Aufgaben und Kompetenzen sind Männer und Frauen in unseren Teams gleichgestellt, was ich sehr wertschätze. So kommt es z.B. bei einem Lösungsvorschlag nicht darauf an, von wem er kommt, sondern auf die Qualität und Umsetzbarkeit. Wir sind recht zielorientiert und haben zum Glück wenig «politics», ich hoffe, dass es so bleibt.

 

Braucht es Ihrer Meinung nach heutzutage noch Frauenförderung? Warum (nicht)?

Jein – denn die klassischen Frauenförderungsmassnahmen würde ich für alle Interessierten öffnen.

Es braucht immer noch Förderungen, vielleicht auch indirekte Förderungen in den Bereichen, die noch immer mehrheitlich Frauen betreffen und in denen ebenfalls ein Geschlechtergleichgewicht erstrebenswert wäre. Der Klassiker ist die Vereinbarkeit von Betreuungsaufgaben und Beruf / Karriere. Ich spreche bewusst von Betreuungsaufgaben und nicht explizit von Kinderbetreuung. Aufgrund der demografischen Entwicklung müssen wir uns vermutlich in Zukunft nebst der Kinderbetreuung vermehrt mit der Betreuung von älteren Personen auseinandersetzten. Das zweite, was mir wichtig ist, ist die Förderung von durchmischten Teams. Inzwischen ist wissenschaftlich durch verschiedenste Studien belegt, dass derartige Arbeitskollektive die Perspektiven beachtlich erweitern. Ich spreche hier nicht nur von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis, sondern es gilt, weitere Faktoren wie z.B. Alter, Herkunft etc. zu berücksichtigen.

 

Kommen wir zum CAS in Unternehmensführung: Das CAS in Unternehmensführung hat im Gegensatz zu vielen anderen Weiterbildungsprogrammen seit Jahren eine ausgeglichene Teilnehmendenquote, was die Geschlechter betrifft.

Was macht das CAS in Unternehmensführung Ihrer Meinung nach für Frauen attraktiv?

Das CAS in Unternehmungsführung fördert das ‘Vernetzte Denken’. Dies geschieht erstens durch durchmischte und heterogene Teams und vor allem auch durch Vernetzung untereinander. Ich stehe ausserdem auch nach Ende des Studienganges für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Rücksprachen zur Verfügung. Ich freue mich, wenn ich nach einigen Monaten wieder etwas von den Teilnehmenden höre.

 

Wenn sich nun jemand entscheidet, das CAS in Unternehmensführung zu absolvieren: Wie sieht ein Tag in Ihrem CAS-UF Modul ‘Innovationsmanagement’ aus?

Hier muss ich vorausschicken, dass sich die Teilnehmenden für das Modul sorgfältig vorbereiten sollten, was durch entsprechende Lektüre und dem Lösen von Aufgaben geschieht. Die Basis der Ausbildung bilden die Grundlagen des Innovationsmanagements und die Vermittlung der entsprechenden „Werkzeuge“. Ich lege grossen Wert auf das gemeinsame Arbeiten an Fallstudien und auf die Anwendung des Gelernten. In einem anschliessenden Schritt haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, eigene Beispiele vorzustellen. Gerne schaffe ich auch immer die Verbindung zu meinem Spezialgebiet „Digital Innovation“. Ausserdem versuche ich das Programm abwechslungsreich zu gestalten, indem ich hochkarätige Gastreferierende einlade, die konkrete Projekte vorstellen. Was in diesen zwei Tagen jedoch trotz der Vielfältigkeit und den verschiedenen Aktivitäten niemals verloren gehen darf, ist der „Rote Faden“ – das ist mir sehr wichtig und darauf achte ich.

 

Wie können die Teilnehmenden das Wissen, das Sie in Ihrem Modul vermitteln, in ihrem Berufsleben einsetzen?

Die Grundlagen des Innovationsmanagements sind universell einsetzbar – d. h. ob ich jetzt eine Stiftung führe oder Leiterin eines Robotik Start-ups bin, die Grundlagen des Innovationsmanagement - konkret der Innovationsprozess oder die Werkzeuge - sind in beiden Organisationen gut einsetzbar, müssen jedoch ggf. adaptiert werden. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig. Meine Kunden sind oft erstaunt, wie gut es geht, auch soziale Innovationsprojekte nach diesem – ihrer Ansicht nach – recht technischen Vorgehen zu erfassen und erfolgreich zu lösen.

 

Erzählen Sie uns ein spezielles Erlebnis, das Sie, während Sie Ihr Modul unterrichteten, mit den Teilnehmenden hatten.

An einem Freitagabend, als wir mit den Themen des Modultages fertig waren, wollte eine Teilnehmende ein Spezifika noch detaillierter beleuchten. Wir haben das dann spontan in der Gruppe vertieft. Was mich dabei besonders überraschte und freute, war, dass sich alle Teilnehmenden dafür interessierten und engagierten, was zu einer spannenden Diskussion führte. Das ist die gelebte Vernetzung – für mich ein essentieller Aspekt. Die Motivation der Teilnehmenden, an einem Freitagabend noch eine Extrastunde einzulegen, um ein Thema zu vertiefen, ist für mich die grösste Bestätigung für meine Art, Wissen zu vermitteln.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Dr. Gabriele Schwarz für dieses Interview.